Wotrowska wosada swjateho Bena

Religiöses Brauchtum

Das kirchliche Leben ist eng mit der sorbischen Sprache und Kultur verbunden, was sich u.a. in dem Tragen sorbischer Festtagstrachten zu besonderen Anlässen widerspiegelt. Außerdem haben sich im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte gewisse Traditionen, z.B. Prozessionen, entwickelt, die auch heute zum Pfarrgemeindeleben gehören.

Karwoche

Am Gründonnerstagabend nach der Heiligen Stunde schweigen in den katholischen Orten die Glocken, die erst wieder zurAuferstehungsmesse in der Osternacht läuten.

Am Karfreitag und Karsamstag ziehen die Jungen der Pfarrgemeinde früh, mittags und abends mit ihren Holzklappern durch das Dorf und beten vor den Heiligen Kreuzen das Angelusgebet. Auf ihrem Weg klappern sie laut, um alle Gläubigen zur Andacht einzuladen. Bei den Klappern handelt es sich meist um selbst gefertige Erbstücke; sie bestehen aus einem Handbrettchen mit Griff und einem beweglichen Holzstück, das die klappernden Geräusche verursacht. Freitag Mittag treffen sie sich nach dem Klappern auf der Pfarrei zum gemeinsamen Mittagessen. Traditionell wird Holunder- und Vanillesuppe angeboten. Am Samstag gibt es Kuchen.

Am Karsamstag pflegen die jugendlichen Mädchen das sog. Kreuzsingen (křižespěwanje). Sie treffen sich um 15 Uhr zum gemeinsamen Singen vor ausgewählten Kreuzen des Ortes.

Ostern

Im Jahr 1814 gab es erstmals eine Osterreiterprozession der Ostroer Pfarrgemeinde. Damals wurden sicherlich nur die Felder umritten. Die Partnerschaft mit Nebelschütz entstand in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Auch in Kriegszeiten ritt die Prozession in die Nachbargemeinde.

Am Ostersonntag treffen sich die Osterreiter (ausschließlich Männer bzw. Jugendliche ab 14 Jahren) auf ihren noch ungeschmückten Pferden und in Arbeitssachen und mit Kopfbedeckung gekleidet an der Kirche, um singend und betend die Felder zu umreiten und somit um eine gute Ernte zu bitten. Dieser Brauch des Saatreitens wird in der sorbischen Lausitz nur noch in Ostro gepflegt. Um 12 Uhr begeben sie sich dann – nun in Gehrock und Zylinder und auf geschmückten Pferden – nach Nebelschütz, um die Auferstehung Christi in der Nachbargemeinde zu verkünden. Gegen 14 Uhr erreicht die Nebelschützer Osterreiter Ostro, die auf mehreren Gehöften mit Kaffee und Kuchen versorgt werden.

Prozessionen

Zum Fest des Hl. Markus findet eine Prozession zum Denkmal auf die Anhöhe von Ostro statt. Weitere Prozessionen führen am 1. Mai auf den Leipsberg zur Kapelle der Familie Brützke, zu den Bitttagen vor Himmelfahrt nach Cannewitz, Richtung Kriepitz und über die Felder Richtung Panschwitz-Kuckau (Chójcy).

Am Pfingstmontag (ab Ostro), am 2. Juli (Maria Heimsuchung) und am 8. September (Maria Geburt – unter der Woche jeweils ab Schmeckwitz) begeben sich – wie auch die Gläubigen der anderen sorbischen Pfarrgemeinden – die Ostroer Gläubigen zu Fuß nach Rosenthal, wo ein gemeinsamer Festgottesdienst stattfindet.

Besonders festlich sind die Prozessionen zu Fronleichnam, ein in der gesamten katholischen Kirche bedeutender Feiertag. Aus diesem Anlass legen viele Mädchen ihre Družka-Tracht an, die nur zu kirchlichen Festen und zur Hochzeit oder Taufe getragen wird. Außerdem tragen an diesem Tag viele Frauen und jugendlichen Mädchen die sorbische Festtagstracht. In Ostro wird sowohl am Donnerstag und am darauffolgenden Sonntag der Weg zum Außenaltar mit Maibäumchen und Waldgras geschmückt und die jüngsten Mädchen streuen Blüten auf den Weg. An zahlreiche Häuser wehen sorbische oder kirchliche Fahnen.

Martinssingen

Am Martinstag (11. November) gehen die Kinder von Haus zu Haus und singen das Lied „Wjele zboža přejemy a so pěknje prašamy, njej’ tu swjaty Měrćin był, njej’ tu ničo wostajił“ und erbitten damit Süßigkeiten.

Herbergsuche

Vom 13. bis zum 23. Dezember wird in Ostro der Brauch der „Maria-und-Josef-auf-Herbergssuche“ gepflegt.